2009 Shared.Divided.United

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Der damalige korientation-Vorstand Sun-ju Choi, Jee-Un Kim, You Jae Lee, Jae-Hyun Yoo konzipierte 2007-2008 eine Ausstellung zur deutsch-koreanischen Migrationsgeschichte. Mit diesem Konzept  wurde das Projekt in der Mitgliederversammlung der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst 2008 vorgestellt und erhielt den Zuschlag, als Projekt der NGBK umgesetzt zu werden. Im Oktober 2009 wurde die Austellung unter Mitkuration von Keum-Hwa Kim als Mitglied der 5-köpfigen Arbeitsgruppe eröffnet.

Der Katalog ist weiterhin bei der NGBK erhältlich.

Weitere umfängliche Materialien und Fotos werden noch auf diesen Seiten eingearbeitet werden.

Beiträge auf dieser Website: http://korientation.de/category/shared-divided-united

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Shared.Divided.United.
Deutschland-Korea: Migrationsbewegungen im Kalten Krieg

Ausstellung vom 10. Oktober – 15. November 2009

Eine Ausstellung der NGBK - Neue Gesellschaft für Bildende Kunst in der NGBK und GfKFB

Konzept: korientation

Deutschland und Korea sind auf eine ganz besonderen Art und Weise miteinander verbunden. Die ganz spezifischen Erfahrungen, nämlich die Teilung des Landes – verbindet Deutschland und Korea im Sinne einer Geteilten Geschichte. Geteilt hat hierbei im Deutschen eine wunderbar doppelte Bedeutung – „geteilt“ im Sinne der Teilung, aber auch „geteilt“ im Sinne der Verbundenheit. Gleichzeitig waren beide Frontstaaten des Kalten Krieges. Erst vor diesem Hintergrund können die Migrationsbewegungen verstanden werden, die in allen vier Himmelsrichtungen zwischen Deutschland und Korea stattfanden: Koreaner gingen als Gastarbeiter von Südkorea nach Westdeutschland (BRD). Koreaner gingen von Nordkorea als Studenten und Waisenkinder nach Ostdeutschland (DDR). Ostdeutsche gingen im Rahmen der „solidarischen Entwicklungsarbeit“ nach Nordkorea. Südkoreaner in Westdeutschland gingen über Ostdeutschland wiederum nach Nordkorea. Nordkoreaner in Ostdeutschland flüchteten nach Westdeutschland. Und so weiter.

Von Süd nach West Die südkoreanische Migration nach Westdeutschland war auf die Berufe Krankenschwester und Bergmann beschränkt und fand in den 1960er und 1970er Jahren statt. Die Beschäftigung der SüdkoreanerInnen sollte offiziell dazu dienen, die beruflichen Kenntnisse der südkoreanischen Bergarbeiter zu erweitern und wurde als „technische Entwicklungshilfe“ für Südkorea ausgegeben. Doch kaum einer der angeworbenen Südkoreaner war vorher oder nachher in Südkorea im Bergbau beschäftigt. Als sog. „Afro-Asiaten” waren sie zudem rassistischen Einstellungen der Mehrheitsgesellschaft ausgesetzt. Die südkoreanischen Frauen und Männer schafften es jedoch, sich durch Unterschriftenaktionen und öffentlichen Protest über den Anwerbestopp 1973 hinaus einen Aufenthalt in der Bundesrepublik zu sichern. Insgesamt leben heute ca. 50.000 SüdkoreanerInnen in Deutschland.

Von Nord nach Ost Die nordkoreanische Migration nach Ostdeutschland umfasste knapp 1.000 nordkoreanische Waisenkinder und Studierende und fand in den 1950er Jahren statt. Die Kosten für ihre Ausbildung wurden von der DDR im Rahmen der „sozialistischen Hilfe“ getragen. In der Zeitung „Neues Deutschland“ hieß die Losung: „Wer Korea hilft, hilft Deutschland.“ Mit zunehmender Aufenthaltsdauer entwickelten die Kinder und Studierenden bikulturelle, hybride Identitäten. Doch eine Integration der „Fremden“ in der DDR war – ähnlich wie im Westen zu Zeiten der „Gastarbeiter“ – nicht beabsichtigt. Im Gegenteil: es bestand eine große Angst davor, dass sich die „Fremden“ in der DDR niederlassen könnten oder binationale Ehen schließen würden. Deutsch-koreanische Liebesbeziehungen unter den Studierenden wurden daher sowohl von der DDR als auch von Nordkorea missbilligt.

Von Ost nach West Manches deutsch-koreanische Liebespaar flüchtete gemeinsam nach Westberlin oder in die BRD. Dies verleitete den nordkoreanischen Botschafter in Ostberlin zu der geschlechtsspezifischen und patriotischen Äußerung, dass die Westflucht der nordkoreanischen Schüler und Studierenden an den deutschen Frauen läge. Die Ost-Berlinsperre für alle Nordkoreaner, die im August 1957 verhängt wurde, konnte die andauernde Fluchtbewegung nicht stoppen. Allein 1959 flüchteten elf nordkoreanische Studenten in den Westen. Die Stadt Berlin diente daher für viele Koreaner als Drehkreuz der Migration. Die Fluchtversuche müssen jedoch vor dem Hintergrund der allgemeinen Fluchtwelle der DDR-Bürger vor dem Mauerbau betrachtet werden.

Von Ost nach Nord 1955 beschloss die DDR, Hilfeleistungen beim Wiederaufbau der nordkoreanischen Stadt Hamhúng zu leisten. Bis zum vorzeitigen Ende des Projektes 1962 waren insgesamt ca. 450 Personen durchschnittlich knapp ein Jahr vor Ort. Für viele DDR-Bürger war die „Fremde“ mit Abenteuerlust und Exotik verbunden. Der Nordkoreaeinsatz war für viele Teilnehmer das größte Abenteuer ihres Lebens und zugleich eine Reifeprüfung für die noch jungen Experten. Die Zusammenarbeit mit Koreanern wurde in den offiziellen Berichten überwiegend positiv beurteilt. In Wirklichkeit war die Beziehung jedoch durch ostdeutsches Sendungsbewusstsein geprägt.

Von Süd nach West über Ost nach Nord Berlin in den 1950ern war der einzige Ort auf der Welt, an dem ohne Vermerke in Pässen ein kommunistisches Gebiet betreten werden konnte. Viele der in Deutschland lebenden SüdkoreanerInnen waren von den damaligen nord-koreanischen Modernisierungserfolgen und der Möglichkeit einer Kontaktaufnahme mit Familienmitgliedern in Nordkorea fasziniert und besuchten die nordkoreanische Botschaft in Ostberlin – mit der Absicht, nach Nordkorea einzureisen. Im Frühsommer 1967 reisten Beamte des südkoreanischen Geheimdienstes in das Gebiet der Bundesrepublik ein und entführten, unter dem Vorwurf der Spionage, siebzehn koreanische Staatsangehörige – darunter den Komponisten Yun Isang. Die Festgenommenen wurden angeklagt, einige zum Tode oder zu lebenslanger Haft verurteilt. Dieser Fall, heute als „Ostberlin-Affäre“ bekannt, löste die schwerste diplomatische Krise zwischen der BRD und Südkorea aus, die zweieinhalb Jahre andauerte.

 

Ausstellung Shared. Divided. United

Im Oktober 2009 wurde unter der Trägerschaft des NGBK e.V. zum ersten Mal eine Ausstellung eröffnen, die das obige Thema, nämlich die koreanische Migrationsgeschichte in Deutschland vor dem Hintergrund des Kalten Krieges anhand von zeitgenössischen Kunstwerken und historischen Dokumenten behandelte.

Es wurden die Arbeiten von 15 zeitgenössischen KünstlerInnen aus Deutschland und Korea gezeigt werden, die sich in ihren Werken mit bestimmten Aspekten der Thematik auseinandersetzten. Gleichzeitig beleuchteten historische Dokumente und Materialien auf unterschiedlichen Medien ebenfalls schlaglichtartig geschichtliche Ereignisse und Zusammenhänge und somit die unterschiedlichen Facetten der deutsch-koreanischen Migrationsgeschichte. Die Geschichte der 1. Generation wurde ausschnitthaft dargestellt und mit den Kunstwerken verschränkt. Das Thema der geteilten Geschichte wurde in der Ausstellungskonzeption auch räumlich berücksichtigt, da die Ausstellung auf wiederum zwei Ausstellungsorte verteilt war: Die NGBK Neue Gesellschaft für Bildende Kunst e.V. befindet sich in Kreuzberg auf der ehemaligen Westseite Berlins. Kreuzberg grenzte direkt an die Mauer. Der zweite Ausstellungsort, die GfKFB befindet sich in Treptow auf der ehemaligen Ostseite direkt neben der Mauer am ehemaligen Mauerstreifen. Der direkt dort positionierte ehemalige Grenzwachtturm an der Schlesischen Straße wurdeebenfalls künstlerisch bespielt.

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KünstlerInnen:Duck-Hyun CHO, Kane DO, Harun FAROCKI, Kerstin KARTSCHER, Georg KLEIN, Enna KRUSE-KIM, Chang-Won LEE, Helena Parada KIM, Florian WÜST, Chan-Kyong PARK, Sunmu, Suntag NOH, Jae-Hyun YOO/Farida HEUCK, kate hers, msk7
Veranstaltungsorte:

NGBK e.V.
Oranienstr. 25
10999 Berlin
www.ngbk.de

GfKFB
Am Flutgraben 3
12435 Berlin
www.kunstfabrik.org

 

Eine Veranstaltung der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst, in Kooperation mit GfKFB, network for artistic research und Flutgraben e.V., finanziert von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin, der Stiftung Kunstfonds Bonn, der Kulturverwaltung des Berliner Senats und unterstützt vom Kulturamt des Bezirksamtes Treptow-Köpenick.

 Die Asien-Pazifik-Wochen werden unterstützt durch die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB).

 Medienpartner: Zitty Berlin, Jungle World.