Die rassistisch motivierten NSU-Morde an Migranten und Deutschen türkischer bzw. griechischer Herkunft brennen uns allen nach wie vor unter den Nägeln. Leider ist die politische und juristische Aufarbeitung auch drei Monate nach ihrer Aufdeckung im November 2011 bisher kaum vorangekommen. Umso wichtiger ist es uns daher ein Anliegen die wissenschaftliche und kulturelle Auseinandersetzung mit Rechtsterrorismus und strukturellen Rassismus weiterzuführen.
Wir verneigen uns vor Enver Şimşek (9. September 2000, Nürnberg), Abdurrahim Özüdoğru (13. Juni 2001, Nürnberg), Süleyman Taşköprü (27. Juni 2001, Hamburg), Habil Kılıç (29. August 2001, München), Mehmet Turgut (25. Februar 2004, Rostock), İsmail Yaşar (9. Juni 2005, Nürnberg), Theodoros Boulgarides (15. Juni 2005, München), Mehmet Kubaşık (4. April 2006, Dortmund) und Halit Yozgat (6. April 2006, Kassel) und trauern mit den überlebenden Angehörigen.
Anlässlich des heutigen Gedenktages (23. Februar 2012) an die Opfer des Rassismus dokumentieren wir hier als Zeichen unserer solidarischen Anteilnahme einen Auszug aus einem längeren Interview, das der Journalist Johnny Van Hove kürzlich mit dem neuen korientation Vorstandsmitglied Kien Nghi Ha über die jahrelang institutionell verschleierten NSU-Morde für MiGAZIN – Migration in Germany führte. Das Interview kann hier in Gesamtlänge gelesen werden.

Johnny Van Hove und Kien Nghi Ha bei einer Diskussionsveranstaltung an der Universität Bremen (2011). Foto: Priya Fielding-Singh
Johnny Van Hove: Wie bewerten Sie die mediale Berichterstattung über die NSU?
Kien Nghi Ha: Die Medien reproduzierten ohne Zweifel diskriminierende Bilder, in dem sie zunächst die aus dem Polizei-Jargon stammende Metapher „Döner-Morde“ vollkommen unbekümmert übernahm und erst nach kritischen Kommentaren sich von diesem pietätlosen wie unsachlichen Begriff distanzierte. Es ist es ganz offensichtlich, dass dieser geschmacklose Begriff die Opfer mit einem billigen und ethnisierten Fast-Food-Gericht gleichsetzt. Perfiderweise wird dabei im Stil einer überdrehten Ethno-Comedy suggeriert, dass überhaupt keine Menschen ermordet wurden. Dadurch werden die Opfer aber nicht nur ihrer individuellen Züge beraubt, sondern gleichzeitig auch abgewertet, weil sie lediglich als anonyme „Dönerfleischmasse“ erscheinen.
Johnny Van Hove: Die Politik scheint weitaus empathischer zu reagieren. Prominente Volksvertreter wie der Bundestagspräsiden Norbert Lammert entschuldigte sich namens des ganzen Hauses bei den Familienangehörigen der Opfer. Das ist doch erfreulich? Continue reading →