Vùng biên giới. Ein Theaterprojekt mit Experten aus Dresden und Prag von Helgard Haug und Daniel Wetzel (Rimini Protokoll)
Eine Veranstaltung vom Rimini-Protokoll im Hau2 über die vielen Umwege der vietnamesischen Migration. Nach Aufführungen in Dresden und Prag nun auch in Berlin zu sehen. Die Premiere ist am 05.05.2010 mit anschließender Party!

Auf Einladung von Zipp brach Rimini Protokoll (Helgard Haug, Daniel Wetzel) im Frühjahr 2008 auf, um sich mit dem Nachbarschaftsverhältnis von Deutschland und Tschechien zu befassen – und fand Vietnam zwischen Dresden und Prag. Es ist das Grenzgebiet einer Generationserfahrung: Als Vertragsarbeiter waren die vietnamesischen Eltern in die kommunistischen Bruderländer DDR und ČSSR gekommen. In Imbissstuben, Mini-Märkten und Grenze-Läden wuchsen ihre Kinder auf. In „Vùng biên gió’i“ (sinngemäß: Grenzgebiet) treten Menschen der ersten und zweiten Einwanderer-Generation auf und eröffnen nicht nur einen Blick in ihre Lebenswelt, sondern auch die Möglichkeit, ihren Blick auf die unsere zu teilen.
Helgard Haug über die Recherche: „Wir sind auf dem großen vietnamesischen Markt in Prag gewesen und sind mit Vietnamesen in Dresden ins Gespräch gekommen über ihren Weg in die DDR bzw. ČSSR als sogenannte „ausländische Werktätige“ und ihre Suche nach einer Nische nach 1990. So konnten wir vier Vietnamesen aus Dresden und Berlin für das Projekt gewinnen, die auf sehr unterschiedliche Weise ihren Weg aus der DDR in die Selbstständigkeit unter kapitalistischen Vorzeichen gefunden haben – alle vier noch mit Erfahrungen als Kriegskinder bzw. junge Soldaten.“ Auf dem vietnamesischen Großmarkt in Prag helfen Kinder den Nachschub nachgemachter US-Uniformen aus den Kisten auf den Ladentisch zu packen. Aber während ihre Eltern gebrochen „billig, billig!” rufen, haben sie sich ganz andere Territorien erobert: Sie studieren, reisen, beherrschen Sprachen und füttern die Suchmaschinen mit Statusfragen nach ihrer Heimat und ihrer Zugehörigkeit. Während die einen ihre Familien aus Vietnam nachholen und andere illegal über den Landweg einzureisen versuchen, zahlt der tschechische Staat im Zuge der Finanzkrise willigen Heimkehrern 500 Euro und den Flug. Auf deutscher Seite werden per Sammelabschiebungen, von Berlin-Schönefeld aus, hunderte in die absolute Ungewissheit geflogen.
Ins Zentrum der Theaterarbeit stellt Rimini Protokoll einzelne Menschen mit ihren Biografien und Berufen und bezeichnet diese als Experten des Alltags. Das Theater wird damit selbst zum Forschungsinstrument, das erst in der Bühnenöffentlichkeit zum Einsatz kommt. Wie auch bei „ Vùng biên gió’i“ gehen den Proben zu den Stücken umfangreiche Recherche-, Casting- und Konzeptionsprozesse voraus.
Eine Produktion von Zipp – deutsch-tschechische Kulturprojekte, Staatsschauspiel Dresden, Pražský divadelní festival německého jazyka (Prager Theaterfestival deutscher Sprache) und Národní divadlo (Nationaltheater Prag).
Der Ankündigungstext ist übernommen von Zipp; mehr Infos und Hintergrundinformationen über das Projekt auf deren Seite:
http://www.projekt-zipp.de/de/lebenswelten/suchmaschine/das-projekt (mit weiterführenden Texten)
http://www.projekt-zipp.de/de/lebenswelten/suchmaschine/publikationen (Ausführliches Programmheft zum Download!)
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Die Aufführungen in Berlin im HAU 2
05.05.2010 / 20.00 UHR / HAU2
06.05.2010 / 20.00 UHR / HAU2
07.05.2010 / 20.00 UHR / HAU2
08.05.2010 / 20.00 UHR / HAU2
09.05.2010 / 16.00 UHR / HAU2
Premiere 05. Mai 2010 / 20.00 / HAU 2 / anschließend Premierenparty mit Bearpit Karaoke
Infos und Tickets unter:
http://www.hebbel-am-ufer.de/de/kuenstler/kuenstler_17762.html?HAU=2