
Minod Moktan (Foto: MWTV)
Am 8. Oktober wurde Minod Moktan auf dem Weg ins Büro von Migrant Workers TV verhaftet und in Abschiebehaft verbracht.
Der 38jährige Nepalese ist eine der wichtigsten und bekanntesten Personen der MigrantInnenbewegung in Korea. Minod Moktan, mit koreanischem Namen Minu, ist Sänger der Rockband Stop Crackdown, die sich für Bleiberechte von ArbeitsmigrantInnen in Korea einsetzt. Er ist Dokumentarfilmer, Mitbegründer des Migrant Workers Film Festivals und Mitbegründer und Redakteur des Internet-Fernsehsenders Migrant Workers Television (MWTV). Ein Sender, der in neun Sprachen über das Leben von MigrantInnen in Korea informiert und in der Vergangenheit immer wieder Fälle von Menschenrechtsverletzungen und skandalöse Arbeitsbedingungen von ArbeitsmigrantInnen in Korea aufdeckte.
Nach einem Bericht der Migrant Trade Union Korea (MTU) wurde Minod Moktan vor dem Büro von Migrant Workers TV von dort auf ihn wartenden Zivilpolizisten verhaftet. Er wurde im Auftrag der Einwanderungsbehörde sofort ins Hwaesong Detention Center, einem Abschiebegefängnis in Seoul gebracht. Seit Jahren führt die südkoreanische Polizei Razzien gegen MigrantInnen ohne gültige Aufenthaltspapiere durch. Doch der Umstand, dass Minod Moktan direkt vor dem Büro von MWTV verhaftet wurde, deutet darauf hin, dass es der Regierung in diesem Fall speziell darum geht, Minod Moktans gesellschaftspolitischem Engagement ein Ende zu bereiten.
Gezielte Aktionen gegen Aktivisten sind in Südkorea kein Einzelfall: So wurden im November 2007 drei führende Mitglieder der MigrantInnengewerkschaft in Korea abgeschoben: Damals wurden in einer abgestimmten Verhaftungswelle der Präsident der MTU Kajiman Khapung, MTU-Vizepräsident Raju Kumar Gurung (Raj) und der MTU-Generalsekretär Abul Basher M. Moniruzzaman (Masum) gefasst und deportiert. Ein halbes Jahr später traf es ihre Nachfolger: MTU Präsident Torna Limbu und Vizepräsident Abdus Sabur
Der südkoreanischen Regierung versucht so, hartes Durchgreifen gegenüber Einwanderer ohne Papiere zu demonstrieren und MigrantInnen ohne Papiere vor jedem gesellschaftlichen und politischen Engagement abzuschrecken.
Minod Moktan ließ sich von solchen Abschreckungsmethoden nie beeindrucken. Er trat gezielt in der Öffentlichkeit auf – „Es geht nicht mehr, dass ich mich verstecke. Es spielt für mich keine Rolle mehr, ob ich abgeschoben werde oder nicht,“ sagte er noch vor zwei Jahren. Und bekräftige: „Ich fürchte mich nicht mehr davor. Und deswegen möchte ich aufstehen und die Geschichte von MigrantInnen in Korea erzählen. Denn das ist auch meine Geschichte“.
Eine Geschichte, die 1988 ihren Anfang nimmt, als Minod Moktan im Fernsehen die Olympischen Spiele in Südkorea verfolgt. Die Olympischen Spiele markieren den Anfang des Wirtschaftlichen Aufschwungs Südkoreas. Und dafür werden billige Arbeitskräfte gebraucht. Korea beginnt ArbeitsmigrantInnen anzuwerben. Minod Moktan kommt 1992 nach Korea. Für ihn und viele andere ArbeitsmigrantInnen gilt Südkorea als Land der Möglichkeiten. Minod Moktan arbeitet die ersten drei Jahre über in Restaurants und Fabriken, ursprünglich mit dem Ziel, Geld zu verdienen und etwas aus seinem Leben zu machen. Doch die Diskriminierung und Unterdrückung, die er in dieser Zeit von Seiten der Arbeitgeber, der Bevölkerung und der Regierung erlebt, bewegen ihn
dazu, sich hauptzeitlich als Aktivist für die Rechte von ArbeitsmigrantInnen einzusetzen. Sein Ziel ist es innerhalb der koreanischen Bevölkerung ein anderes Bewusstsein für ArbeitsmigrantInnen zu erreichen. Dafür gründet er 2003 während eines historischen mehrere Wochen andauernden Sitzstreiks von ArbeitsmigrantInnen die Band Stopcrackdown. Die Rockband aus Musikern aus Nepal, Birma, Korea und Indonesien bringt in ihren Liedern die Gefühle und Erfahrungen von ArbeitsmigrantInnen zum Ausdruck. Und sie tun es mit Selbstbewusstsein: „Wir sind Arbeiter und wir brechen nicht zusammen. Auch wenn Dich jemand tritt, steh wieder auf. Reiß Dich zusammen! Egal, was sie sagen. Wir sehen gut aus, auch in Arbeitskleidern. Wir schwitzen Blut, aber wir leben ein Leben in Würde. Wir verändern die Welt. Wir bauen Korea auf. Lass uns zusammenstehen. Lasst uns eine schöne Welt bauen. Ein schönes Korea. Wir lieben Korea.“ Die Haltung und positive Ausstrahlung von Leadsänger Minod Moktan beeindruckt auch viele koreanische Fans und Hörer. Mit seinem Gesangtalent schafft er es sogar in einer Talentshow im koreanischen Fernsehen zu gewinnen und sorgt so für ein anderes Bild von ArbeitsmigrantInnen bei den Zuschauern. Neben seiner Arbeit als Journalist und leitender Redakteur bei MWTV setzt er sich bei Workshops an Schulen für interkulturelle Verständigung ein.
Kurz: Minod Moktan ist eine Symbolfigur der MigrantInnenbewegung in Südkorea und ein wichtiger Motor im Kampf um Bleiberechte und gegen die gewaltsamen Razzien ohne Rücksicht auf Menschenrechtsverletzungen.
Seit Amtsantritt der koservativen Regierung unter Staatspräsident Lee Myeong-Bak wurden nach Angaben der Migrant Trade Union Korea 17.000 Menschen abgeschoben, 32.0000 waren es im Jahr 2008. Gleichzeitig wurden im selben Jahr tausende neuen ArbeitsmigrantInnen angeworben. Nach Informationen von Amnesty International war ein Anstieg der Fälle grausamer, unmenschlicher und entwürdigender Behandlung von ArbeitsmigrantInnen während ihrer Festnahme bei Razzien zu verzeichnen. Obwohl es nach wie vor einen ungebrochenen Bedarf an Arbeitskräften in Südkorea gibt, kündigte die Regierung im September 2008 ihr Vorhaben an, bis 2012 etwa die Hälfte der ArbeitsmigrantInnen abzuschieben. Dies würde ungefähr 220000 Menschen ohne Papiere betreffen. Insgesamt leben in Südkorea mittlerweile mehr als eine Million MigrantInnen, die meisten unter ihnen sind ArbeitsmigrantInnen.
Seit der Festnahme Minod Moktans rufen zahlreiche NGOs und MigrantInnenorganisationen in Südkorea zu Protesten gegen seine Verhaftung auf. Sie verlangen die Freilassung von Minod Moktan und fordern ein Bleiberecht für undokumentierte MigrantInnen, die ein integrativer Teil der Zivilgesellschaft geworden sind.
Angesichts dessen, lohnt es sich an die Geschichte Südkoreas als Arbeitskräfte exportierendes Land zu erinnern. Allein in die Bundesrepublik Deutschland entsandte Südkorea in den 60ern und 70ern rund 10.000 Krankenschwestern und 8000 Bergarbeiter. Auch in Deutschland waren deren Verträge zunächst auf drei Jahre befristet. Als die deutsche Regierung im Mai 1977 die üblichen 3-Jahres-Arbeitsverträge der Krankenschwestern nicht mehr verlängern wollte, sammelten koreanische Krankenschwestern auf dem Kirchentag in Berlin 11019 Unterschriften. Damals erreichten Sie eine breite Unterstützung durch die deutsche Zivilgesellschaft. Sie erkämpften sich so ein unkündbares Bleibe- und Arbeitsrecht für sich und ihre koreanischen Ehemänner. Jetzt ist es wieder an der Zeit Unterschriften zu sammeln. Nicht nur, für die Freilassung von Minod Moktan, sondern auch, um der südkoreanischen Regierung zu signalisieren, dass ihre gewaltsame und menschenrechtsverletzende Abschiebepraxis gegenüber undokumentierten Einwanderern nicht hinnehmbar ist.
Bitte senden Sie ein Protestschreiben an folgende Faxnummer:
0082-2-500-9097
Bitte informieren Sie das Kommittee für die Freilassung von Minod Moktan darüber mit einer Kopie an folgende Faxnummer oder E-Mailadresse:
82-2-2269-6166
migrant@jinbo.net
Falls Sie weitere Fragen haben, können Sie sich an Young-sup Jung wenden:
Tel.: 82-2-2285-6068, migrant@jinbo.net
Weitere Informationen auf Koreanisch auf:
Für ein Protestfax können Sie folgende Vorlage verwenden
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To the South Korean Ministry of Justice:
We wish to express our grave shock and concern over the recent arrest of the cultural and human rights activist Minod Moktan.
Minod was arrested by immigration officers on October 8 in front of the office of Migrant Workers Television, where he works. The immigration officers were waiting in hiding and ambushed him on his way to work. It is clear by the manner in which this arrest was carried out that this was not a regular immigration procedure but in fact an abuse of state power and act of repression aimed at stopping Minod’s work for migrant’ human rights.
This incident follows the pattern of targeted crackdown against migrant activists carried out in the past, including the arrest of Migrants Trade Union officers in November 2007 and May 2008. This strategy of repression—using the authority to detain and deport undocumented immigrants as a cover for targeting migrant activists—has already been criticized by the UN Special Rapporteur on the Human Rights of Migrants, the Special Rapporteur on the Situation of Human Rights Defenders (A/HRC/10/12/Add.1, para. 1526) and the ILO Committee on Freedom of Association (GB.304/6, para. 795b) and will not be tolerated by the international community.
We would also like to express our concern over South Korean government intensification of the brutal crackdown against undocumented migrant workers, which has lead to countless injuries, deaths and human rights abuses. It is exactly this type of policy that Minod opposed. We stand with him and others in South Korea in calling for respect for migrants’ rights as workers and people, regardless of their immigration status.
The international community will not stand by while migrant workers’ human rights are violated, nor will it allow the South Korean government to target and arrest more migrant activists.
As such we urgently call on you the meet the following demand:
· Free Minod Moktan!
· Stop the crackdown against undocumented migrant workers!
· Stop the targeted repression against migrant activists!
Sincerely,
Name:
Title:
Organization:
Berichterstattung:
http://www.koreatimes.co.kr/www/news/special/2009/10/178_53690.html
http://english.hani.co.kr/arti/english_edition/e_national/382402.html
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korientation-Artikel unserer Yellow-Press-Redaktion auf diesem Blog:
http://korientation.de/2009/11/arbeitsmigranten-in-suedkorea/
DANK für Euren Artikel!!!
mehr infos gibt´s hier:
http://cafe.daum.net/free-minu
http://www.jinbo.net/channel/show/56
http://www.mwtv.kr/
http://migrant.nodong.net/ver3/
미누 씨 강제출국 규탄 성명
법무부가 미누 씨 강제단속에 대한 이의신청을 10월 23일(금) 오후 6시 경에 기각하고 곧바로 강제퇴거를 시작해서 급기야 20:50분 타이항공편으로 미누 씨를 강제출국 시켰다.
법무부는 보도자료를 통해 미누 씨가 ‘일상적인 단속에 적발’되었다고 했지만, 미누 씨는 단속 며칠 전부터 미행과 잠복을 하던 단속반에 의해 ‘표적단속’된 것이다. 일상적인 단속을 MWTV 사무실 앞에서 할 일도 없거니와 미누 씨 출근 시간대에 맞춰 사무실 부근에서 기다리고 있다가 여러 명이 달라 들어서 단속한 것인데 어찌 ‘적발’이란 말인가! 법무부는 표적단속 했다는 사실부터 솔직히 인정해야 할 것이다.
또한 법무부는 미누 씨를 범죄자처럼 묘사하기 위해 미누 씨가 정치적 활동에 주도적으로 가담해왔다고 하면서 촛불집회 참석 등을 언급하고 있다. 정치적 활동이라고 뒤집어씌울 의도라면 모르지만 정당한 의사표현을 이렇게 왜곡해서는 안 된다. 이주노동자는 표현의 자유도 없단 말인가? 더구나 미누 씨는 대부분 그러한 행사에서 노래를 한 것이지 않은가. 강제추방을 정당화시키려고 애를 쓰는 것도 정도껏 해야 한다.
그리고 합법화 요구가 정당한 법집행을 왜곡하고 국민의 법 감정에도 배치된다고 하는데, 이는 법에 있는 규정대로 요구한 것이고 빠른 시간 내에 많은 국민들이 탄원서에 서명한 것을 보면 합법화를 찬성하는 여론도 높다고 보이는데 이러한 측면은 왜 외면하는 것인가.
오히려 인권침해를 양산하고 있는 법무부의 강제 단속추방은 왜 시정하지 않는가. 법무부는 보도자료에서 ‘단속과정에서 인권침해 사례가 없도록 적법절차를 준수’하겠다고 하는데 왜 현실에서는 무수한 인권침해가 보고되는 것인가. 주택이나 공장, 식당에 무단침입해서 강제 단속하고 무고한 사람을 폭행하고 부상자를 만들고 하는 야만적인 단속을 왜 바꾸지 않는가. 이주노조 지도부, 공동체 리더, 문화활동가들에 대한 ‘표적단속’은 왜 계속되는가.
그리고 무엇이 그리 급해서 이의신청을 기각하자마자 면회할 시간도 주지 않고 속전속결로 강제출국 시키는 것인가. 그것도 인권준수인가?
기대도 하지 않았지만 여전한 비인간적인 행태에 실망을 금할 수 없다. 이제까지 강제단속 당하고 강제추방 당한 수십 만 미등록 이주노동자들과 미누 씨의 설움과 한, 분노와 격정을 고스란히 그대로 법무부에게 돌려주는 바이다.
2009. 10. 23.
서울경인 이주노조 (MTU)
Minu was deported a few hours ago. There was no announcement made, even his lawyer wasn’t informed, because they were worried about people trying to interfere. He was secretly transported to the airport and put on a plane to Nepal.
A huge setback for the migrant movement in Korea and for MWTV.