Serie: Ise und Arbeit. Folge 8: Berufserfahrungen eines Gastronomen

Das Kim Chi Restaurant am Kurfürstendamm ist das älteste koreanische Restaurant in Berlin und feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. 1979 eröffnete das Restaurant in der Potsdamer Straße und zog 1981 an den Kurfürstendamm. An der neuen Adresse tritt der junge Gastronomiebetrieb die Nachfolge des Schweizer Restaurants „Auf dem Churfürsten“ an – neben traditionellen koreanischen Gerichten steht daher in den ersten Jahren auch Rösti auf der Speisekarte. Heute konzentriert sich das Restaurant ausschließlich auf die koreanische Küche, es ist das einzige koreanische Restaurant in Berlin, das mit traditionellen Holzkohlegrills ausgestattet ist. Das gegrillte Bulgogi (eingelegtes Rindfleisch), heruntergespült mit einem Schluck Soju (Branntwein) haben sich auch die meisten Koreaner aus Korea auf ihren Deutschlandreisen nicht entgehen lassen. Yongmin Cho ist in zweiter Generation Geschäftsführer des Restaurants.

YP: Wer gibt mehr Trinkgeld, die deutschen oder die koreanischen Gäste?

Yongmin Cho: Die koreanischen Gäste geben überhaupt kein Trinkgeld, so wie das in Korea üblich ist. Dafür bleiben sie meistens auch nicht lange, sondern gehen direkt nach dem Essen, manchmal schon nach 15 Minuten. Außer sie bestellen noch Soju. Dann kann sich das Ganze ein paar Stunden hinziehen und etwas lauter werden. Die deutschen Gäste geben Trinkgeld – dafür bleiben sie auch etwas länger.

YP: Hattet ihr von Anfang an viele Deutsche Kunden?

Yongmin Cho: Durch unseren Schweizer Vorgänger konnten wir viele Deutsche – und Schweizer – von der koreanischen Küche überzeugen. Wir hatten aber auch schon vorher viele deutsche Kunden – obwohl es vor 15, 20 Jahren natürlich noch viel exotischer war, ein koreanisches Restaurant zu betreiben.

YP: Unterscheidet sich die Esskultur in Deutschland und Korea?

Yongmin Cho: Sehr sogar. Essen ist in Korea ein soziales Ereignis, besonders wichtig ist, dass die Speisen geteilt werden: Man bestellt mehrere Gerichte und Beilagen, die alle dann aus denselben Schüsseln essen. Dass jeder sein eigenes Gericht bestellt – wie in Deutschland – ist in Korea nicht üblich. Bei einer koreanischen Mahlzeit gibt es außerdem keine Einteilung in Vor- oder Hauptspeise – alle „Gänge“ kommen gleichzeitig auf dem Tisch.

YP: Was ist der Verkaufsschlager im Kim Chi?

Yongmin Cho: Am beliebtesten sind die Gerichte vom Holzkohlegrill, Bulgogi (mariniertes Fleisch), Galbi (Rippchen) und vor allem Ori Gui (Ente). Die Grillgerichte kommen gut an, weil sie ein traditioneller Bestandteil der koreanischen Küche sind und außerdem ein außergewöhnliches Erlebnis – man kann ja nicht überall am Tisch sitzen und gleichzeitig den Grill bedienen.

YP: Wie kam es dazu, dass Deine Eltern das erste koreanische Restaurant in Berlin gegründet haben?

Yongmin Cho: Mein Vater war damals für fünf Jahre der Vorsitzende der koreanischen Gemeinde und hat dadurch gesehen, dass es Bedarf für ein koreanisches Restaurant gab. Für besondere Anlässe wie Hochzeiten oder Familienfeiern haben sich damals viele Koreaner eben auch ein koreanisches Restaurant gewünscht. Mittlerweile gibt es in Berlin ja auch noch viele andere.

YP: Wolltest Du schon immer Geschäftsführer eines koreanischen Restaurants werden?

Yongmin Cho: Ich wollte schon lange im Bereich der Gastronomie arbeiten. Koreanisches Essen anzubieten ist aber sehr anstrengend, vor allem die Kosten sind sehr hoch. In Korea werden traditionell die Beilagen zu den Gerichten (eingelegtes Gemüse) gratis angeboten, das erwarten die Kunden dann auch in einem koreanischen Restaurant. Ich könnte mir gut vorstellen, mich einmal auf bestimmte Gerichte zu spezialisieren, so wie das in Korea auch üblich ist. Es gäbe dann beispielsweise nur Kim Chi Chigae (Suppe) und die Beilagen müsste man extra bestellen. Oder ich probiere eine ganz andere Küche aus. Mal sehen.

YP: Welche Fähigkeiten braucht ein erfolgreicher Geschäftsführer im Gastrobereich?

Yongmin Cho: Eigentlich die gleichen Fähigkeiten wie Führungspersönlichkeiten in anderen Bereichen auch. Ich denke da an Disziplin, Menschenführung und Persönlichkeit. Der professionelle Umgang mit dem Personal und den Gästen ist besonders wichtig.

YP: Stand für deine Eltern  fest,  dass Du später das Restaurant übernehmen würdest?

Yongmin Cho: Nein. Meine Eltern wollten immer, dass ich etwas „Vernünftiges“ mache. Außerdem ist die Arbeit in der Gastronomie schon sehr anstrengend, man muss immer vor Ort sein und kann eigentlich nie Urlaub machen. Das Restaurant habe ich dann übernommen, weil meine Eltern die Arbeit nicht mehr alleine bewältigen konnten und der Mietvertrag noch weiterlief.

YP: Was hast Du vor der Zeit im Kim Chi gemacht?

Yongmin Cho: Zuerst das übliche: Abitur und Studium der Betriebswirtschaft. Danach war ich Geschäftsführer von verschiedenen Clubs, unter anderem im Zoo Club und im 90 Grad. Außerdem habe ich als Aushilfe in der Gastronomie gearbeitet, vor allem in asiatischen Läden, wie im Kuchi auf der Kantstraße. Den Betrieb im Kim Chi habe ich aber schon von klein auf immer nebenbei mitbekommen.

YP: Wie hat sich das Restaurant verändert, seitdem Du Geschäftsführer bist?

Yongmin Cho: Vor ein paar Jahren haben wir die Einrichtung komplett erneuert. Insgesamt ist das Restaurant aber immer noch sehr koreanisch geprägt, meine Mutter arbeitet ja auch immer noch mit. Die größte Veränderung hat sich eigentlich durch die Wiedervereinigung ab 1989 ergeben. Davor war der Ku’damm ja das Zentrum Berlins, mittlerweile hat sich das Ganze nach Mitte verschoben, so dass wir auch weniger Laufkundschaft als vorher haben.

YP: Wo siehst du die Zukunft der koreanischen Küche in Berlin?

Yongmin Cho: Ich denke, dass die koreanische Küche in Deutschland immer eine Nischenposition behalten wird, aber warten wir’s ab…

YP: Yongmin, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg für die Zukunft!

Das Interview führte Benedikt Biernath.

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