Bericht von der Konferenz „Koreanische MigrantInnen in Deutschland: MusterschuelerInnen der Integration?“

(Dieser Artikel erschien am 6. Juni 2008 in der koreanischen Communityzeitung Kyoposhinmun #598)

Vom 22.05.-23.05.2008 veranstaltete der Verein korientation e.V. eine internationale Konferenz im Rahmen der Aktionstage der Bundeszentrale fuer politische Bildung (BpB) und des Europaeischen Jahres des interkulturellen Dialogs 2008.

Ji-Yang Lee war als Teilnehmerin in Berlin dabei und berichtet für Yellow Press.

Aufmerksam wurde ich auf diese Veranstaltung einerseits durch meinen Professor an der Universitaet Bonn, an der ich zur Zeit im Fach Uebersetzen meine Diplomarbeit schreibe: „Koreanische Diaspora in Deutschland – ein Vergleich mit anderen Migrationsgruppen in Deutschland“. Andererseits habe ich auch durch das Internetportal Berlin-Report darueber erfahren. Kurzerhand entschloss ich mich also, fuer 2 Tage nach Berlin zu fahren und an der Konferenz teilzunehmen.

Auf der Konferenz wurden die Integrationsprozesse von koreanischen MigrantInnen der ersten und auch zweiten Generation von KoreanerInnen in Deutschland als vorbildlich integrierte Minderheit eroertert und kritisch hinterfragt. Dazu waren WissenschaftlerInnen und politische Aktivisten aus Korea, Deutschland und Grossbritannien eingeladen, die zu einem reichen Spektrum an Themen referierten, sowie alle Interessierten, die sich rege an den anschliessenden Diskussionen beteiligten und auf diese Weise ihren Beitrag leisteten.

Das Programm der Veranstaltung umfasste vier groessere Themenbloecke. Am ersten Tag wurde „Alltag und Lebenswelt“ von KoreanerInnen in Deutschland behandelt. Danach befassten wir uns mit der „Erinnerung und Vermittlung“ koreanischer MigrantInnen. Der zweite Tag beschaeftigte sich mit dem hochbrisanten Thema „Transnationalismus“ und zum Schluss ging es darum, welche Rolle die „2. Generation“ mit ihrem migrantischen Hintergrund bei den Integrationsprozessen spielt. Diesen Themenblock fand ich persoenlich am interessantesten, aber das liegt wohl daran, dass ich selbst ein Isae (Migrantin 2. Generation) bin und es mich direkt betrifft.

Abgerundet wurde die Konferenz mit einer Podiumsdiskussion, an der bekannte Persoenlichkeiten wie Prof. Song, Du-Yul (Universitaet Muenster), Fr. Dr. Kang, Chong-Sook (Paedagogisches Institut der Stadt Muenchen) und Hr. Guenther Piening (Beauftragter fuer Integration und Migration in Berlin) gemeinsam auftraten und versuchten, ein kritisches Bild sowohl in Bezug auf die gegenwaertige Sachlage der koreanischen MigrantInnen in Deutschland, als auch einen Ausblick der koreanischen Gemeinschaft in Deutschland zu vermitteln.

Die Besucherzahl der Veranstaltung fiel noch relativ mager aus, was aber nicht weiter verwunderlich ist, da die Konferenz als eine Auftaktveranstaltung von mehreren Projekten zu sehen ist. Darunter ist ein Dokumentarfilm ueber koreanische MigrantInnen in Deutschland geplant, der voraussichtlich Ende nächsten Jahres fertig wird. Auch andere Projekte werden stattfinden, und ich hoffe sehr, dass die Teilnahme an diesen Veranstaltungen zahlreicher sein wird.

Mit grossen Erwartungen bin ich zur Konferenz gefahren und wurde nicht enttaeuscht. Es gab sehr viele interessante Vortraege, die es wert sind, noch tiefgehender behandelt zu werden. Aus zeitlichen Gruenden war dies leider nicht moeglich, aber vielleicht ergibt sich noch das eine oder andere Forum, in dem man sich dazu untereinander austauschen kann. Ich denke, dass es sehr wichtig und hilfreich ist, solche Veranstaltungen vermehrt stattfinden zu lassen, zumal auf diesem Wege die Integrationsarbeit in erheblichem Masse gefoerdert werden kann.

Als letztes moechte ich den Blick noch kurz auf eine Sache lenken, die ich ebenfalls auf der Konferenz heraus gehoert zu haben meine. Die koreanische Community in Deutschland gilt stets als „vorbildhaft“. Warum? Aufgrund eines hohen Bildungsgrades, einer geringen Arbeitslosenquote, sowie einer niedrigen Kriminalitaetsrate. Aber sind koreanische MigrantInnen in Deutschland deshalb „MusterschuelerInnen der Intergration“? Der etwas provokative Titel der Konferenz ist meines Wissens nach bewusst so gewaehlt worden. Durch die konkrete Auseinandersetzung mit dieser Fragestellung auf der zweitaegigen Konferenz bin ich zu dem Schluss gekommen, dass wir als koreanische Gemeinschaft in Deutschland zwar gut integriert sind und unsere Selbstorganisation mit Sicherheit nicht zu verachten ist, jedoch noch viel Integrationsarbeit vor uns liegt und dass insbesondere die Isaes nun gefragt sind, diese effizienter mit zu gestalten, um die Repraesentanz der KoreanerInnen in Deutschland auf allen Ebenen zu staerken.

Die Autorin Ji-Yang Lee, Jahrgang 1980, studiert zur Zeit an der Universität Bonn. Sie ist angehende Dipl. Übersetzerin für Koreanisch und Chinesisch.

Yellow Press – eine deutschsprachige Kolumne

Die deutschsprachige Kolumne Yellow Press erscheint in der Kyoposhinmun alle zwei Wochen Mit Yellow Press greifen wir Themen aus den Bereichen Politik, Geschichte, Alltag, Kultur und Wissenschaft auf, die unser koreanisch-deutsches Leben unmittelbar betreffen. Wir möchten auch die zweite Generation ansprechen und sie ermuntern, sich verstärkt mit migrationspolitischen Themen kritisch auseinander zu setzten.

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