Dr. Zee-Won Sur hat in Deutschland und Frankreich Mathematik studiert und in Südkorea promoviert. Er ist derzeit Head of Europe Department des Korea-EU International Cooperation Centers (KEUICC), einer Regierungsstelle des Ministry of Knowledge Economy der Republik Korea. Dr. Sur ist ledig und lebt in Busan, Republik Korea.
Herr Dr. Sur, Sie arbeiten seit drei Jahren als Vermittler in der Wissenschaft und zwischen den Kulturen. Fühlen Sie sich dabei eher als Koreaner oder als Deutscher?
Eine sehr komplexe Frage, die ich zunächst mit einem „es kommt darauf an“ beantworten muss. Worauf es ankommt, möchte ich mit zwei Beispielen skizzieren. Zum einen denke ich zunächst einmal „koreanisch zielgerichtet“, da ich für eine koreanische Regierungsstelle arbeite. Dies hat natürlich auch einen Einfluss auf mein Bewusstsein. Zum anderen bin ich von meinen Arbeitsmethodiken her zweifelsohne Europäer, was ich regelmäßig „fühle“, gerade dann, wenn meine Methoden mit denen von Kollegen oder Partnern in Konflikt geraten.
Wie können wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen?
Zunächst einmal sieht kein Tag wie der andere aus. Daher lässt sich ein genereller Arbeitsalltag schlecht beschreiben. Grob zusammengefasst stellen meine Abteilung und ich die Schnittstelle für alles dar, was nach Europa geht und aus Europa kommt, also die transnationale Abteilung, wenn man so will. Das reicht von der Unterstützung von europäischen Austauschstudenten in Korea über das Managen von Technologietransfers bis hin zur Leitung von koreanischen Delegationen auf Europareisen.
Warum wurden Sie für diesen Posten ausgesucht?
Nun, mein Posten erfordert neben einem technologischen und wissenschaftlichen Hintergrund vor allem ein hohes Maß an interkulturellen Fähigkeiten. Das beinhaltet nicht nur eine profunde Kenntnis der koreanischen und wichtigen europäischen Sprachen, sondern auch der kulturellen Besonderheiten und Unterschiede. Dabei ist es entscheidend, dass man sich der Unterschiede nicht einfach nur bewusst ist, sondern wissen muss, wie man diese überbrückt.
Wo können bei Ihrer Arbeit Konflikte aufgrund der kulturellen Unterschiede entstehen?
Eigentlich überall. Am deutlichsten zeigt sich das vielleicht im unterschiedlichen Verständnis von bestimmten Schlüsselwörtern. So kann ein koreanisches „ja“ je nach Kontext „ja“, „nein“ oder auch „vielleicht“ bedeuten. Einerseits ist es entscheidend, früh solche Konflikte zu erkennen und sie zu vermeiden, andererseits ist es aber auch immer wieder erstaunlich, wie viel internationaler Konsens in den Beteiligten steckt.
In welchen Bereichen können die Kulturen noch weiter voneinander lernen?
In einigen sehr wichtigen Bereichen ist ein gegenseitiges voneinander Lernen noch in hohem Masse möglich. Ich denke dabei beispielsweise an die koreanische Dynamik und die deutsche Genauigkeit, die man sich gegenseitig abgucken könnte.
Was bedeutet Transnationalismus für Sie persönlich?
Der Transnationalismus in all seinen Formen und Facetten hat schon immer einen immensen Einfluss auf mein Leben gehabt und wird diesen wohl auch beibehalten. Während ich mich privat von Geburt an mit verschiedensten Kulturen auseinandergesetzt habe und dies durch meine unterschiedlichen Wohnorte in Europa und Korea intensiviert habe, war es schon immer mein Traum, auch beruflich international aktiv zu sein und einen kleinen Beitrag zur Verstärkung des globalen Transnationalismus zu leisten.
In welchem Land würden Sie am liebsten alt werden?
Ich bin mir sicher, dass ich überall glücklich werden würde, vorausgesetzt, man verbietet mir das Reisen nicht.
Das Interview führte Benedikt Biernath