Die global aliens sind unter uns. Sie kommen von überall her und gehen auch überall hin – derzeit aus Deutschland, Korea, Island, Dänemark, Japan, Österreich und den Philippinen. Niemand kann sie mehr aufhalten. Für einen Zwischenstopp in Berlin postieren sich die Künstler/innen und Theoretiker/innen für einen Congress of Cultures im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, um Mechanismen der Globalisierung in einer Ausstellung mit Workshops zu hinterfragen. Die ewige Frage nach dem „globalen Fremden“ wird ironisch-distanziert einerseits und andererseits persönlich erlebbar: Die Installation You are not here von Mushon Zer-Aviv (IL/USA) entlarvt den gewohnten touristischen Blick auf öffentliche Stadtpläne, der mit Freizeit oder Urlaub gekoppelt ist und führt die Betrachter auf der Suche nach dem roten Standortpunkt an Orte wie Bagdad oder Gaza. Die Blickveränderung ist wohl ein erster Schritt auf dem Weg, ein global alien zu werden.
Interaktiv wird es im Transformationsraum von Thorbjörn Reuter Christiansen, wo es unendliche viele Spiegelbilder der eintretenden Personen gibt sowie ein Theremin, ein Instrument, das Bewegungen in akustische Signale transformiert.
Übertragen per Kamera wird jede Bewegung der sich Raum befindenden Personen. Zu sehen sind sie in einem kleinen Fernsehgerät, das an einem anderen Ort der Ausstellung steht – was man bei Eintritt in den Transformationsraum nicht weiss. Auf diese Weise kann der Transformationsprozess weder beeinflusst noch manipuliert oder kontrolliert werden. Ein Dauerzustand für global aliens, der hier erfahrbar wird und das Grundthema der Ausstellung thematisiert: Wie wird das sogenannte „Fremde“ in den verschiedenen Ländern erlebt und diskutiert?
Ein großes Leuchtschild lädt in den „Multi-faith prayer room“ ein und besticht mit Humor und vordenkerischer Qualität für einen pragmatischen Ansatz in der Religionsdebatte – ein Raum für alle.
Die quer über den Globus stattfindende Kommunikation der global aliens klebt an den Wänden und dokumentiert das, was sonst zu weiten Teilen im Äther stattfindet. Die Formen des Dialogs oder Trialogs haben ausgedient, es wird der Multilog gezeigt. Wer diese Kommunikations-Kompetenz nicht beherrscht, ist nur ein local alien. But there is hope: Utopie kann man üben mit der Filmemacherin Nele Wohlatz, die in ihrem Film über eine Theatercompany, die ein Stück über Kollektive auf die Bühne bringen will, zeigt, worum es den global aliens geht: um mehrdimensionale Lebens-, Arbeits- und Identitätskonzepte fernab der bekannten Diskurse. Damit es auch dem Langsamsten langsam dämmert, dass transkulturelle Reibungsflächen Spannungen und Elektrizität für neue Utopien und Denkweisen erzeugen. Warum allerdings das so genannte „Fremde“ als eigentlich schon längst ausgestorbene Kategorie hier nun doch wiederbelebt wurde, bleibt schleierhaft.
Die Autorin Vera Yu ist Kulturmanagerin und Autorin. 2008 erhielt sie den Elisabeth-Gerter-Literaturpreis. Derzeit arbeitet sie an einer Dokumentation über die Revolution von 1911 in China.
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Informationen zur Ausstellung
Die Ausstellung GLOBAL ALIEN: Congress of Culture ist noch bis zum 27. April 2008 im Kunstraum Kreuzberg im Künstlerhaus Bethanien in Berlin zu sehen.
GLOBAL ALIEN sind: Insa Breyer (DE), Youngjoo Cho (KOR), Thorbjørn Reuter Christiansen (DK), Lizza May David (DE/PH), Alex Gerbaulet (DE), Jakob Schaible (DE), Ingirafn Steinarsson (IS), Namsee Kim (KOR), christoph mayer chm (AT), Kaoru Yoneyama (JP), Jae Hyun (Lee) Yoo (KOR)
Darüber hinaus finden folgende Veranstaltungen als Teil des Rahmenprogramms statt:
Samstag / 5. April / 14–22 Uhr
The Global Alien sessions vol.1 / Performances
• THE GLOBAL ALIEN SESSIONS VOL.1 – eine sich selbst komponierende Klangskulptur /
• EXCHANGING T-SHIRTS WITH ALIENS
• THE MIXING OF THE SPIRIT
Donnerstag / 17. April / 19 Uhr
Üben für Utopia
Filmscreening / Diskussion
Nele Wohlatz, Üben für Utopia (2006/2007, 66 Min., D/AR, Sprache: es/dt mit dtUT) Buenos Aires 2006/2007: Fabrikbesetzer üben, ihre bankrotten Fabriken zu kollektivieren. Eine Theatercompany aus Berlin-Mitte übt, ein Stück über Kollektive auf die Bühne zu bringen. Ich übe, mich der einen und der anderen Gruppe filmend anzunähern und zu verstehen, was sie da tun. Was kann das eine mit dem anderen verbinden? Wie kommen Kunst und Politik zusammen? Diskussionen um neue Arbeitsformen stehen in einer engen Wechselbeziehung zu Konzepten der Selbstorganisation: Einerseits werden überall staatliche Programme zurückgefahren andererseits halten immer weniger Menschen den kapitalistischen Druck aus und greifen auf alternative Konzepte als ein Mittel zum selbst bestimmtem oder widerständigem Handeln zurück.
Im Anschluss Diskussion mit der Filmemacherin.
Sonntag / 27. April / ab 17 Uhr
• THE GLOBAL ALIEN SESSIONS VOL.2 – eine sich selbst komponierende Klangskulptur
• EXCHANGING T-SHIRTS WITH ALIENS
• THE MIXING OF THE SPIRIT
Weitere Informationen unter www.kunstraumkreuzberg.de