Lokal gebunden – global vernetzt

von Anette Schubert

Die Wiege der Menschheit liegt in Afrika, von wo aus der Mensch wandernd die Erde bevoelkerte und gleichzeitig seine Geschichte der Migration beginnen liess.

Fruehere Beweggruende fuer Wanderungen unterscheiden sich von den heutigen kaum, lediglich die Rahmenbedingungen und Begrifflichkeiten sind Indikatoren fuer die Veraenderung in den Mustern und Lebensweisen von MigrantInnen. Politische, religioese, soziale oder berufliche Gruende bestimmen nach wie vor das Migrationsverhalten einzelner Individuen oder Gruppen. Das Leben der MigrantInnen innerhalb einer Aufnahmegesellschaft wird durch die Aufnahmebedingungen des jeweiligen Staates gepraegt. Oft bildet die Mehrheitsgesellschaft klischeehafte Meinungsbilder, die eine Betrachtung der Lebensweise von ImmigrantInnen nur auf zwei Arten zulaesst: Diejenigen, die sich erfolgreich in die Aufnahmegesellschaft eingliedern (wollen) und jene, die sich von dieser abgrenzen und meist die Flucht in die eigene ethnische community bevorzugen.

Wir muessen jedoch den Blick auf das „Dazwischen“ schaerfen, da wir in unserem gesellschaftlichen Miteinander immer haeufiger auf gemischte Identitaeten treffen. Kulturell homogenisierte Strukturen sind im Zuge von Globalisierungsprozessen und internationaler Migration kaum mehr eindeutig fassbar! In diesem Zusammenhang nimmt die zunehmende Bedeutung von Transnationalitaet, einem Prozess der Verknuepfung von Elementen des Herkunfts- und des Ankunftslandes, die grenzueberschreitendes Agieren innerhalb einer Aufnahmegesellschaft ermoeglicht, einen immer bedeutendere gesellschaftlichen Stellenwert ein. Die nachfolgenden Beispiele sollen dies veranschaulichen: Frau K. aus N. war in den 70er Jahren als koreanische Krankenschwester in Deutschland taetig. Ihre fundierten Kenntnisse ueber die deutsche Sprache und Kultur verhalfen ihr nach ihrer Rueckkehr in die Heimat zu einer transnationalen Taetigkeit zwischen Deutschland und Korea. Als Dolmetscherin und Reiseleiterin betreut sie je nach Bedarf Reisegruppen und Gaeste in beiden Laendern. Waehrend sie selbst ein kleines Unternehmen in Korea fuehrt, leiten ihre Kinder eine Zweigstelle in Deutschland. Haeufiges Pendeln und regelmaessige Kommunikation zwischen den Laendern gestalten ihren Alltag. Durch die engen Netzwerke und der grossen Anfrage in Deutschland ergab sich fuer sie auch die Moeglichkeit der Durchfuehrung von Workshops auf dem Gebiet der Akupunktur.

Herr L. eroeffnete in Kanada eine Pension fuer koreanische Austauschschueler, in denen die Kinder waehrend ihres Austauschjahres eine Unterbringungsmoeglichkeit mit Verpflegung und Nachhilfeunterricht bekommen. Dem Gefuehl von Heimweh und Sehnsucht wird durch das vertraute koreanische Umfeld entgegengewirkt und somit gleichzeitig der erfolgreiche Erwerb der englischen Sprache sichergestellt. Hier kann der Schutz der eigenen community die Zufriedenheit der Kinder gewaehrleisten und ihre Leistungs- und Anpassungsfaehigkeit steigern. Die Existenz koreanischer Einrichtungen im Ausland wie z.B. Vereine, Restaurants, Reisebueros, Supermaerkte und Schulen verdeutlichen den starken Bezug zum Heimatland und beguenstigen eine transnationale Lebensweise der ImmigrantInnen.

Annette Schubert studierte Geographie an der FU Berlin und ist derzeit in einem Schulgruendungs-Projekt engagiert.

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